08.12.2006

The Get UP Kids

The Get UP Kids

On a wire

Vagrant / Motormusic (2002)

Veränderungen im Haus bei der Gitarreninstitution Get Up Kids. Nach fast dreijähriger Wartezeit seit dem genialen „Something To Write Home about“ endlich wieder ein Album. Und das hat es in sich: Sound und Songs scheinen von einer generalüberholten Kombo zu stammen. Der Distortion-Regler wird ebenso konsequent wie das Tempo heruntergefahren, die einzelnen Spuren wirken sehr viel ausgearbeiteter, Tasteninstrumentalist James Deewe erhält zusätzliche Freiräume.

Heraus kommt dabei ein durchaus abwechslungsreiches Sammelsurium von zwölf - man höre und staune - Country-, Folk- und erstaunlich bieder geratenen Rocksongs.
Was bleibt, ist die Fähigkeit von Hauptvocalist Matthew Pryor, Emotionalität in wunderbar direkter Weise zu kommunizieren und seine ehrlich wirkenden Lyrics so ins Hirn zu brennen, dass man sofort mitsingen möchte.

Der von Akustikgitarre getragene Opener „Overdue“ und das todtraurige, mit dem Kitsch liebäugelnde Finale „Hanna Hold On“ erinnern noch am ehesten an alte, wohlgemerkt balladeske, Zeiten. Von den zwei von Jim Suptic gesungenen Liedern sticht vor allem das hochmelodiöse „All That I Know“ positiv, weil stark an den Beatles (!) angelehnt, hervor.

Wenn man von einer musikalischen Weiterentwicklung sprechen würde, läge man also nicht unbedingt falsch, vernachlässigt allerdings den Umstand, dass man auf uptempolastigen Powerpop während der gesamten 43 Minuten und 29 Sekunden vergebens wartet. Schade, machte doch eben dieser einen fundamentalen Part der Identifizierungsmöglichkeiten mit der Band aus.

Die Get Up Kids sind erwachsen geworden. Und das ist das Problem.

Milan Matull
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