02.03.2020

Unzucht

Unzucht

Das Ende dieser Welt

Out Of Line Music / Rough Trade (2020, CD)

Als das neue Album der Hannoveraner/Hamelner Band Unzucht im Februar erschien, freuten sich die Musiker über die erstmalige Top-10-Platzierung eines ihrer Werke in den Offiziellen Deutschen Album-Charts. In den vergangenen Jahren hatten sich Unzucht ihren Erfolg durch zahlreiche Produktionen und umfangreiche Touren hart und redlich erarbeitet. Entsprechend ist ihre Fangemeinde gewachsen. Dort wo aber andere Bands nach gut zehn Jahren ihres Bestehens und einigen Album-Veröffentlichungen schon mal ein wenig stagnieren oder sich mehr zum Massengeschmack hin entwickeln, haben Unzucht mit „Das Ende dieser Welt“ sehr dynamisch und kraftvoll einen Gang hochgeschaltet.

Heftiger, wuchtiger Industrial-Metal trifft auf Dark-Rock mit Gothic-Einflüssen. Dieser mächtige Hybrid gibt dann des Öfteren eingängige Pop-Melodien frei, die sich mitunter zu großen Pop-Hymnen aufschwingen. Damit dürften Unzucht aus ihrer Szene heraus ein immer größeres Publikum ansprechen, ohne die eigenen Wurzeln zu verleugnen. Die große kraftvolle Produktion ist wie aus einem Guss, fordert beim Hörer ungeteilte Aufmerksamkeit ein. Hier gibt es kein Larifari, sondern gleich zum Einstieg kräftig auf´s Ohr.

Man fühlt sich wie im Sog in eine brechend volle Halle gezogen, in der die Band ein ums andere Mal massive Soundwände in die feiernde Menge schiebt, um dann mit Hymnen wie „Horizont“ ein Gefühl der Gemeinschaft zu erzeugen, wo Smartphone-Lampen, Feuerzeuge oder Wunderkerzen die Szenerie in ein wohlig wärmendes Licht tauchen.

Bevor man glaubt, man würde bald mit zu viel Hit-Pop-Melodien übergossen, lassen Unzucht das High-Speed-Metalcore-Monster „Misanthropia“ frei. Der Mann der diese Kreatur unnachgiebig durchs Dorf treibt ist Caliban-Shouter Andy Dörner mit einem eindrucksvollen Gastauftritt.

Die Musik auf „Das Ende dieser Welt“ rüttelt auf, putscht auf und nimmt einen gleichzeitig ganz fest in den Arm. Unzucht nehmen in einigen Songs die Hörer auch mal mit in dunkle Wälder, in tiefe, feuchte Keller. Dorthin, wo man nicht weiter wissen möchte, wer sich dort verkriecht und was dort womöglich geschieht. Den Schwarzen Mann, den gibt es hier irgendwo bestimmt, aber man muss keine Angst vor ihm haben.

Die Musik von Unzucht vermittelt auch Mut und Kraft und so packt sie einen ganz fest bei der Hand, ganz im Sinne von Haltung und Liebe.

Andreas Haug
(8 / 10 Pkt.)

Mehr: www.unzucht-music.com

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