21.06.2019

Norbert Buchmacher

Norbert Buchmacher

Habitat einer Freiheit

End Hits Records/ Cargo Records (2019, CD, LP, Digital)

Norbert Buchmacher ist schon lange im Musikgeschäft. Als Roadie für unzählige Punk- und Hardcorebands war er weltweit unterwegs, baute Bühnen auf und verkaufte Merch-Artikel. Beeinflusst von diesem Umfeld fing er an Texte zu schreiben und gründete die Hardcoreband One on One. Nachdem diese sich auflöste, ging Norbert Buchmacher erst einmal wieder als Roadie auf Tour. Während dieser Zeit lernte er Alan Kassab, den ehemaligen Gitarrist der Punkband The Heartbreak Motel kennen. Zusammen mit ihm hat Buchmacher sein Debütalbum „Habitat einer Freiheit“ vorgelegt, bei dem er für die Texte und Kassab hauptsächlich für die Musik zuständig ist.

Das Album beginnt mit dem kurzen instrumentalen Klavierstück „Habitat einer Freiheit“, das in den zweiten Titel übergeht. „ Müssterium Des Seins“ ist ein typischer Pop-Rocksong, der von Gitarre, Klavier und der rauen Stimme Buchmachers dominiert wird.

Generell bewegen sich die meisten der zwölf Songs im Bereich des Pop-Rock, bieten aber in sich eine große Abwechslung. So werden zusätzlich zu den Hauptinstrumenten Gitarre, Klavier, Schlagzeug und Bass, Blasinstrumente, wie in „Man Sagt Nicht Man Sagt Nicht“ oder Streichinstrumente wie in „Sorgen und der Nikolaus“ eingesetzt.

Hinzu kommen Titel, die sich musikalisch komplett von den anderen Songs unterscheiden, wie zum Beispiel „Autonomaut“, der in Richtung Punk geht und ein bisschen an The White Stripes erinnert. Doch am meisten hebt sich „Seid Was Ihr Wollt“ von dem übrigen Songs ab. Hier hört man die sphärischen Klänge eines Keyboards, die mit einem Marimbaphon verbunden werden. Durch den gesprochenen und nicht gesungen Text Buchmachers hat man das Gefühl im Theaterstück mit Musik zu sitzen, das auch von Bertolt Brecht stammen könnte.

Und auch textlich gibt es verschiedene Aspekte, die Norbert Buchmacher beleuchtet. Neben Themen wie Liebe („Zeitspanner Und Regenfäller“), Fragen nach dem Lebenssinn („Sorgen und der Nikolaus“) oder den Motivationssong „O.M.F.“ positioniert er sich auch klar politisch. Die besten Beispiele hierfür sind „Laut geträumt“ und „Die Ballade von Willi und Walther“.

„Laut geträumt“ beschäftigt sich mit der Doppelmoral der Menschen im Bezug auf das Fremde und die Nächstenliebe. Dies wird besonders in den Zeilen „Sonntags immer brav in die Kirche rennen, aber dann laut klatschen, wenn die Heime brennen. Und auf einmal sind vor Gott doch nicht alle gleich“, deutlich.

In eine ähnliche Richtung geht auch „Die Ballade von Willi und Walther“. Doch anders als bei „Laut geträumt“ zielt der Titel nicht generell auf die Gesellschaft ab, sondern zeigt direkt auf die Polizei und wirft ihr in den Zeilen „Doch da kommen die Bullen schon wieder mal an, zum zehnten Mal schon in den paar Jahren. Willi, der ist Dunkler, man hat Angst vor dem schwarzen Mann“, Rassismus vor.

Insgesamt sind Norbert Buchmacher und Alan Kassab ein Album gelungen, das den perfekten Spagat zwischen Vielfalt und Einheit geschafft hat. Es kommt weder Langeweile auf, noch hat man das Gefühl, nur eine willkürliche Ansammlung von Songs zu hören.

Das einzige, was negativ ins Gewicht fallen könnte, ist die Erwartungshaltung des Hörers. Denn wenn man die Biografie von Norbert Buchmacher und auch Alan Kassab liest, könnte man leicht auf den Gedanken kommen, dass es sich bei „Habitat einer Freiheit“ um ein Punk-Album handelt. Dies ist es aber nicht. Die einzigen Stellen, an denen der Punk durchscheint sind, textlich gesehen, die Songs „Laut geträumt“ und „Die Ballade von Willi und Walther“, sowie musikalisch der Song „Autonomaut“.

Stephan Meßmann
(9 / 10 Pkt.)

Mehr: www.norbertbuchmacher.com