19.06.2019

An Horse

An Horse

Modern Air

Grand Hotel van Cleef (2019, CD)

Nach sechs Jahren künstlerischer Pause, meldet sich das australische Duo An Horse mit einem neuen Studioalbum zurück. 2010 hatte die Indie-Band mit Hang zum Surfsound ihr Debut-Album „Rearrange Beds“ veröffentlicht und war seitdem fast Non-Stop auf Tour. Dass Kate Cooper und Damon Cox in den letzten Jahren aber keineswegs faul, sondern ungemein kreativ waren, beweisen sie nun mit ihrem dritten Longplayer „Modern Air“, der kürzlich auf Grand Hotel van Cleef erschien.

Viele Songs des aktuellen Albums hätten auch in Form eines Singer-/Songwriter Projektes gut funktioniert, aber das Duo hat sich für eine lebendige Indierock-Variante entschieden, die einen gewissen Wiedererkennungswert hat. Kates Stimme wird von den verträumten Songstrukturen getragen, ohne jemals jammernd oder trivial zu wirken. Dass die beiden musikalisch und auch sonst gut harmonieren, merkten sie schon bei ihrer Gründung. Im Jahr 2007 begannen beide im Plattenladen „Skinnys“ nach getaner Arbeit zusammen zu jammen, nachdem sie dort eine PA aufgebaut hatten.

Der Titel des 11-Trackers ist passend gewählt, denn der Sound ist tatsächlich modern und luftig. Wohlige Melancholie wie in „Started A Fire“, tanzt mit Optimismus und Lebensfreude in Songs wie „Breakfast“ oder dem Opener „This Is A Song“. Wie ein Sonnenuntergang am Strand von Brisbane. Bei Songs wie „Mind Reader“ versetzt man sich unwillkürlich in solch eine Situation. Das folgende „Drown“ wiederum, hätte auch 1995 von Weezer kommen können. Der Nachfolger des 2011 erschienenen „Walls“ wird einfach nicht langweilig.

Die Lebensfreude wieder zu entdecken, war für Sängerin und Gitarristin Kate Cooper in den letzten Jahren allerdings nicht einfach. Nach dem Ende der letzten Tour zum zweiten Album war Kate einfach am Ende, sagt sie selbst über sich. Nachdem ihr Vater an einem Gehirntumor verstorben war, zog sie von Australien nach Kanada, Damon zog nach New York. Beide hielten aber über die ganze Zeit Kontakt. Kate wollte aber erst wieder Songs schreiben, wenn sie über etwas anderes als Traurigkeit schreiben kann. „Traurig sein ist einfach, zumindest für mich. Schwierig ist es glücklich zu sein, dafür musst du arbeiten“, so Cooper.

Es scheint, als hätten sich Kate und Damon mittlerweile von Schicksalsschlägen und ihren unzähligen Touren zwischen 2007 und 2012 erholt, die sie unter anderem mit Bands wie Death Cab for Cutie oder Nada Surf absolviert haben. Die beiden sind nun wieder ausgiebig auf Tour und kommen Ende Juni 2019 auch zu uns nach Hannover.

Heiko Mohr
(7 / 10 Pkt.)

Mehr: www.anhorse.com