Erlöse aus der Rock´n´Roll-Tombola von Rockers: Betreiber und Mitarbeiter vom Béi Chéz Heinz, dem Café Glocksee, dem Kulturzentrum Faust und des Musikclubs LUX freuen sich über die solidarische Unterstützung.

Solidarische Unterstützung für Lindener Clubs

Tombola vom Rockers bringt Erlös von 4000 Euro

14. Juli 2020, Von: Andreas Haug, Foto(s): Florian Arp

Im Mai und im Juni veranstaltete der Plattenladen Rockers in der Weckenstraße in Hannover Linden-Nord eine Rock´n´Roll-Tombola zugunsten seiner Konzertkartenvorverkaufspartner, den Lindener Clubs Kulturzentrum Faust, Béi Chéz Heinz, Café Glocksee und LUX. 800 Lose wurden verkauft, 800 Gewinne verlost und ein Erlös von 4000 Euro erwirtschaftet. Am gestrigen Montagnachmittag übergab Rockers-Inhaber Christoph Stadtmüller in einer Zeremonie auf dem Schmuckplatz jedem Club einen Scheck in Höhe von 1000 Euro. Gleichzeitig wiesen Christoph, David Lampe vom Klubnetz e.V. und die anwesenden Vertreter der Clubs auf die dringende Notwendigkeit staatlicher Hilfen hin.

Er habe sich über die Solidarität der plattenkaufenden Hannoveranerinnen und Hannoveraner in seinem Geschäft Rockers gefreut, sagt Christoph Stadtmüller. Mit der Tombola und den Erlösen wolle man den Clubs gegenüber eine Geste der Unterstützung und Verbundenheit zeigen und gleichzeitig noch einmal ins Bewusstsein bringen, dass Clubs, die durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie unverschuldet in Not geraten sind, Hilfe und Unterstützung seitens der Politik und des Staates benötigen.

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„Es sieht düster aus“, betont David Lampe, der als Vertreter des Klubnetz e.V. erschienen war. Clubs benötigten unmittelbar und dringend staatliche Hilfe. Ersparnisse seien nicht da, denn gerade das Kulturprogramm kleinerer Clubs, die oft auch Förderung spezieller Angebote und Newcomer betrieben, würden nicht das Geld erwirtschaften können, das es erlaubt, größere Rücklagen zu bilden von denen man lange zehren könnte. Mehrere Clubs in Deutschland stünden kurz vor der Insolvenz und wenn es diese Clubs nicht mehr gebe, würden sie lange oder gar für immer verschwinden, so David. Möglichkeiten einer Neugründung gebe es kaum, die Suche nach Standorten, geeigneten Immobilien und auch baurechtliche Auflagen stellten größere Hürden dar. Daher sei staatliche Hilfe dringend erforderlich.

Mit Abstandsregeln und Sitzplätzen kein vernünftiger Betrieb möglich

Diese staatliche Hilfe sei mindestens noch ein Jahr nach einer Wiedereröffnung der Clubs erforderlich, da man nicht sofort schwarze Zahlen schreiben könne und Verluste der vergangenen Monate, in denen es keine Einnahmen gab irgendwie wieder ausgleichen müsse, schätzt Jörg Smotlacha vom Kulturzentrum Faust die Situation ein. Karl Zorn vom Béi Chéz Heinz stellt heraus, dass es untypisch ist, dass sich Clubs ein finanzielles Polster anlegen können, zumindest nicht für eine Zeit kompletter Einnahmeverluste von mehreren Monaten oder gar einem Jahr.

Mit den aktuellen Abstandsregeln und der zugelassenen Anzahl von Besuchern, die nur einem Bruchteil der jeweiligen Club-Kapazität entspricht, ließen sich weder inhaltlich noch wirtschaftlich Konzerte veranstalten, sind sich alle Club-Betreiber einig. Mit vielleicht 30 oder 40 Leuten ein Konzert unter „Corona-Bedingungen“ zu veranstalten sei teurer, als den Laden geschlossen zu halten, sagt Heiko Seeger vom LUX. „Kann sich jemand ein Punkrock-Konzert mit 30 oder 40 auf Stühlen sitzenden Fans im Béi Chéz Heinz vorstellen?“, fragt Karl Zorn in die Runde.

Perspektiven und klare An-und Aussagen von der Politik gewünscht

Alle Klubbetreiber und Programmmacher wünschen sich eine Perspektive und klare An-und Aussagen der Politik, wie es weitergehen könne. „Wir können aktuell gar keine Konzerte oder gar ein Programm buchen. Konzerte werden verlegt, dann erneut verschoben, abermals terminiert und dann schließlich doch abgesagt“, sagt Dirk Sadlon, gemeinsam mit Heiko Seeger Betreiber des LUX. Warum eine Perspektive außerdem so immens wichtig ist liefert Dirk dann direkt nach: „Angenommen an einem Freitag gibt es eine Erklärung der Politik, dass Clubs wieder öffnen dürfen, dann ist es unrealistisch, dass wir da gleich am Samstag oder den darauffolgenden Montag die Tür aufschließen können und sofort wieder Programm läuft.“ Es sei kaum noch ausreichend Personal da, unter anderem für die Gastronomie. Die Mitarbeiter seien derzeit mit ihrem Arbeitsverhältnis abgemeldet einige seien auf der Suche nach anderen, neuen Jobs.

Aufgrund der aktuell unklaren Lage und fehlenden Perspektive bleibt das LUX noch bis mindestens zum 31. Oktober geschlossen (siehe auch unseren Artikel dazu).

Trotz der mehr als misslichen Situation freuen sich die Faust, das Café Glocksee, das Béi Chéz Heinz und das LUX über den solidarischen Beitrag von Rockers in Form der Erlöse aus der Tombola.

„Ich hoffe, dass wir uns bald wieder in den Clubs an der Theke sehen“, beendet David Lampe vom Klubnetz seinen engagierten und sympathischen Vortrag und spricht damit wohl allen Beteiligten tief aus der Seele.


Links:
www.rockers.de
www.lux-linden.de
www.cafe-glocksee.de
www.beichezheinz.de
www.kulturzentrum-faust.de

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