Ein sehr kurzes, aber dennoch lautes und hartes Vergnügen: Der Auftritt von Lysistrata in Hannover im LUX.

Intensiv, extrem und sehr kurz

Lysistrata und ihr ungewöhnlicher Gig in Hannover

08. Juni 2019, Von: Andreas Haug, Foto(s): Jeff Kahra

Eine ganz schön heiße, originelle und kreative Band sind Lysistrata aus dem Südwesten Frankreichs. Die extrem dynamische, druckvolle und leidenschaftlich kreierte Mischung aus Noise-Rock, Post-Hardcore, Post-Rock, Math-Rock und Indie-Rock mit der Wucht und Wut des Punk ist in der heutigen Musikszene, auch auf internationalem Level äußerst bemerkenswert und ganz weit oben anzusiedeln. Am gestrigen Freitagabend überraschten Lysistrata mit einer ungewöhnlich kurzen Show im LUX in Hannover. Zuvor beworbene Songs der Newcomer standen nicht auf der Setlist und eine vom Publikum erbetene Zugabe wurde nicht gespielt. Das warf Fragen auf.

Man konnte sehr begeistert sein von der Show von Lysistrata im LUX in Hannover, man konnte sich in der Erwartungshaltung aber auch ein ganzes Stück weit enttäuscht fühlen von dem, was die junge Band aus Frankreich aus ihrer „Headliner“-Club-Show gemacht hat. Zumindest war es vergleichsweise ungewöhnlich, wie sich das französische Trio um Gitarrist und Sänger Théo Guénau, Bassist und Sänger Max Roy und Schlagzeuger und Sänger Ben Amos Cooper sich hier in Hannover präsentiert hat.

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Nachdem die Öffentlichkeit erst wenige Stunden vor dem Konzert eher zufällig über social media erfahren hatte, dass der Monate zuvor angekündigte und beworbene support-act City Light Thief ausfallen würde, war es ein guter Rat für die Besucher, möglichst zeitig zur heutigen Show zu erscheinen, die Lysistrata schließlich allein bestreiten würden. Über die Programmänderung gab es im Vorfeld keinerlei aktive Information seitens der beteiligten Künstler und Veranstalter. Die 60-70 Besucher waren aber dennoch rechtzeitig vor Ort. Gegen 20.30 Uhr stehen Lysistrata schließlich auf der Bühne.

Die Band ist laut, die Band ist hart, die Band haut sich voll ins Zeug. Bass, Gitarre, Schlagzeug, drei Gesänge und das volle Brett Post-Hardcore, Noise-Rock mit Punk-Appeal, in etwas ruhigeren Momenten schimmert cooler Indie-Rock durch. Lysistrata haben das Publikum sofort auf ihrer Seite, das offensichtlich innerlich tief befriedigt und begeistert mitgeht.

Überwiegend Ausprobieren neuer, noch unbekannter Songs

Dabei spielt die in Deutschland bislang eher Insidern überhaupt bekannte Band heute Abend kaum bis gar keine Stücke aus ihrem Debütalbum, das zuvor mit einigen vielversprechenden Videos beworben wurde. Auch ein Sachverhalt, der für eine Newcomer-Band, die zumindest in Hannover hier im LUX das erste Mal überhaupt mit einer eigenen Show auftritt, ungewöhnlich ist. Es ist ein Konzert, das konträr zu üblichen Band-und Marketing-Aufbau-Mechanismen abläuft. Songs, die die meisten hier wahrscheinlich schon ein bisschen kennen könnten und lieben gelernt haben, werden nicht gespielt.

Lysistrata nutzen den heutigen Abend in erster Linie, um neue, den meisten hier völlig unbekannten Songs aus ihrem für Ende dieses Jahres angekündigten Album auszuprobieren. Das gelingt der Band großartig und das neue Material klingt äußerst vielversprechend.

Schluss nach nur 50 Minuten – Wünsche nach einer Zugabe bleiben unerfüllt

Nach sage und schreibe nur 50 Minuten verlässt die Band die Bühne. Die intensiv vom Hannoveraner Publikum herbeigewünschte Zugabe wird überraschend nicht gewährt. Eigentlich ein absolutes Unding. Für eine support-Show oder einen Festival-Slot mag das okay sein, aber die Chance nicht zu nutzen, bei einem eigenen Konzert wenigstens mal 75 Minuten Musik inklusive einer Zugabe auf die Bühne zu bringen, auf die Wünsche eines neuen Publikums nicht einzugehen, fühlt sich dann heute Abend überhaupt nicht gelungen an.

Wir erfragen im Anschluss die Hintergründe bei der Band. Schlagzeuger Ben Amos Cooper steht Rede und Antwort. Man würde generell derzeit keine Zugabe spielen, weil der letzte Song mit über 15 Minuten so intensiv sei, dass weitere Songs im Anschluss aus künstlerischer Sicht nicht passen würden. Lysistrata hätten sich selbst darüber gewundert, dass es heute in Hannover nur 50 Minuten waren, am Vorabend hätte man für die identische Setlist gut eine Stunde benötigt. Man möge es eben vor allem extrem und intensiv und nicht unbedingt lang, erklärt der Musiker.

Somit bleibt das heutige kurze Konzert von Lysistrata in Hannover lediglich als dicker Appetithappen in Erinnerung für das, was vielleicht später einmal kommen mag.


Links:
www.facebook.com/lysistratatheband
www.hannover-concerts.de
www.lux-linden.de

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