„We’re a bunch of idiots” – Less Than Jake bei ihrem Punk-in-Drublic-Auftritt.

Die Herkulesaufgabe

Punk in Drublic auf der Faustwiese

05. Mai 2019, Von: Lisa Eimermacher, Foto(s): Lisa Eimermacher

Wenn NOFX und ihre Freunde zum Punk-Open-Air-Festival „Punk in Drublic“ auf der Faustwiese laden, lässt sich die Hannoversche Szene nicht zweimal bitten. Lange im Vorfeld war das Festival bereits ausverkauft. Im Schlepptau hatten NOFX am gestrigen Samstag die Punk-Kollegen Bad Religion, Lagwagon, Anti-Flag, Less Than Jake, The Real McKenzies, Get Dead und The Bombpops. Präsentiert wurde das Spektakel von NOFX-Frontröhre Fat Mike höchstpersönlich. Wir waren dabei und haben uns einen Eindruck über die Stimmungslage verschafft. Ist es den Veranstaltern dieses Mal gelungen, wie versprochen, vieles besser zu machen?

Am vergangenen Freitag startete die Veranstaltungsreihe „Punk in Drublic“ in Köln. Punk in Drublic – ein Wortspiel, das sich von „drunk in public“ ableitet und auch eine Anspielung auf ein NOFX-Album ist. Klar, versammelt sich die Punk-Szene aus ganz Linden, aber auch über die Lindener und Hannoverschen Grenzen hinaus, wenn Fat Mike und Kollegen zum Fest geladen haben. Doch so eine groß angelegte Veranstaltung bietet auch viele Herausforderungen und bedeutet viel Verantwortung.

In ähnlicher Form gab es das Open Air „NOFX & Friends“ erstmals vor drei Jahren, der Prototyp, wenn man so will. Im Juni 2016 erntete das Festival vielfach Kritik, dass nicht alles so ablief, wie man es sich vorgestellt hatte. Aus den Fehlern habe man gelernt, so die Faust-Veranstalter im Rockszene-Interview. Diesmal wollte man beweisen, dass man es besser kann. Mit insgesamt 6.900 verkauften Tickets sind es zudem 2.000 Besucher mehr als beim Mal zuvor. Europaweit war Hannover das erste Punk in Drublic, das ausverkauft war.

Und tatsächlich läuft es am gestrigen Samstag deutlich besser. Der Einlass verläuft aufgrund der zwei Eingänge entspannt, auch wenn sich so mancher einen etwas intensiveren Bodycheck gewünscht hätte. Die Zapfhähne sind in Dauerbetrieb und auch die Wartezeit vor den Dixi-Klos ist kurz.

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Bereits am Nachmittag herrscht eine entspannte Stimmung als die ersten beiden Bands The Bombpops den Startschuss für die Veranstaltung geben. The Bombpops wurden 2007 in San Diego von den Musikerinnen Jen Razavi und Poli van Dam gegründet und läuten den Tag mit Pop-Punk ein. Danach folgt die kalifornische Punkrock-Band Get Dead, die auch noch auf der anderen Seite der Faustwiese in angemessener Lautstärke zu hören ist. Im Wohngebiet gäbe es hingegen kaum Lärm, so Jörg Smotlacha von der Faust. Den Anwohnerschutz müsse man im Auge behalten.

Allesamt in Kilts gekleidet und mit einem Dudelsack gewappnet, singt die kanadische Folk-Punk-Band The Real McKenzies über ihre schottische Herkunft, gibt ihren Klassiker „Chip“ und das thematisch zum Festival passende „Drink Some More“ zum Besten, bei dem das Publikum mit einstimmt. Später mischt sich Frontmann Paul McKenzie unters Volk und reißt Witze: „I’ve been hungover in Hanover quite a bit“.

Es läuft

Ein NOFX-Fan, der die Band seit den 90ern begleitet und auch 2016 vor Ort war, kommentiert die Lage: „Klappt super! Viel besser als damals. Heute musste ich beim Einlass nicht wie letztes Mal 45 Minuten warten. Auch am Getränkestand geht es zügig“.

Noch haben die Sanitäter wenig zu tun. „Bis jetzt hatten wir einen Patienten“, sagt eine Sanitäterin. Im Laufe des Abends und mit steigendem Pegel kommen dann stetig mehr Patienten dazu.

Die Feierwut der Faustwiese befeuern die Polit-Punker Anti-Flag gekonnt. Zuletzt waren sie im vergangenen Oktober in der Leinestadt mit einer eigenen Headline-Show zu Gast. Songs wie „Turncoat“, „Die For Your Government”, „The Press Corpse” und “American Attraction“ funktionieren nach wie vor. Ansagen gegen Antifaschismus, Homo- und Transphobie, Rassismus und Hass jeglicher Art ebenfalls. "Seems like Punk is alive and well in Hanover today!", kräht Bassist Chris #2. Einige Crowdsurfer bahnen sich ihren Weg in Richtung Bühne, wo sie von Securities aufgefangen werden.

Wir sprechen mit einem Mitarbeiter des Sicherheitsdienstleisters ToSa, der zwar 2016 selbst nicht dabei war. Doch das heute sei „kein Vergleich. Bis jetzt scheint alles ruhig zu sein. Die sind alle ganz entspannt, bis auf ein paar Ausnahmen, mit denen man aber fertig wird“. So versucht es eine Besucherin hartnäckig nach etlichen Ermahnungen, in den Fotograben vor der Bühne zu gelangen.

Mit einem ansteckenden Grinsen im Gesicht, Gitarren und Blasinstrumenten trotzen die Ska-Punker Less Than Jake aus Florida dem Hagel und Regen. Anschließend liefern Lagwagon, eine der alteingesessenen kalifornischen Punkrock-Bands, eine unaufgeregte, aber solide Show ab. Etwas überrascht nimmt Frontmann Joey Cape hin, dass ihr Set nach „May 16“ beendet werden muss. Im Herbst komme man wieder und spiele mehr.

Solide ist auch das Stichwort bei Bad Religion. Opener des Sets ist ein brandneuer Song aus dem vor wenigen Tagen erschienenen 17. Studioalbum und reiht sich zwischen altbekannte und bewährte Titel aus fast 40 Jahren Bandgeschichte.

Der Kontrast von Bad Religion zu NOFX, die von vielen das heiß ersehnte Schlusslicht bilden, ist - milde formuliert – krass, aber ulkig. Der Gedanke, Greg Graffin auf der Bühne einmal Penis-Witze machen zu sehen, scheint in dieser Realität unvorstellbar und wäre das Eintrittsgeld wert. Was nicht heißen soll, dass NOFX nicht auch sozialkritisch sein können. Rotzfrech wie immer mit einer Prise Gleichgültigkeit bringen Fat Mike, Melvin, El Hefe, Smelly und Karina ihre Show über die Bühne.

Damit so ein Spektakel auf und vor der Bühne möglich ist, muss es im Hintergrund geordnet zugehen. Aus den Fehlern aus der Vergangenheit hat man scheinbar gelernt. Und die guten Vorbereitungen scheinen sich diesmal ausgezahlt zu haben. „Wir machen das“, war von vornherein die Devise.


Links:
www.kulturzentrum-faust.de
www.facebook.com/kulturzentrum.faust
www.nofxofficialwebsite.com
badreligion.com
www.anti-flag.com
www.lagwagon.com

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