Dave Hause & The Mermaid beim Konzert im Béi Chéz Heinz in Hannover.

Freie Zeit

Dave Hause & The Mermaid spielten im Béi Chéz Heinz

29. April 2019, Von: Lisa Eimermacher, Foto(s): Lisa Eimermacher

Rock `n` Roll, Folk, mit Spuren von Punk-Rock und Pop – das volle Paket. Am gestrigen Abend trat der US-amerikanische Songwriter, Rock-Sänger und Gitarrist Dave Hause mit seiner Band The Mermaid im Béi Chéz Heinz in der Liepmannstraße auf. Musikalische Unterstützung bekam er dabei unter anderem von Kayleigh Goldsworthy, die nicht nur als erster Support den Abend eröffnete, sondern auch Teil von The Mermaid ist, sowie die Band Cadet Carter aus München.

Ausgelassen versprüht Dave Hause gemeinsam mit seiner Band, die den klang- und geheimnisvollen Namen The Mermaid trägt, am vergangenen Abend viel Spielfreude und positive Energie. Seine Fans haben sich in den gut gefüllten Gemäuern des Kultkellers Béi Chéz Heinz eingefunden. Vor der Bühne wird es langsam aber sicher immer enger und durch die gesammelte Körperwärme wird es trotz der kühleren Temperaturen vor der Tür drinnen T-Shirt-tauglich. Bereits die Opener sind gut besucht.

Den Anfang macht die US-amerikanische Singer-Songwriterin Kayleigh Goldsworthy und zieht das Publikum in ihren Bann. Anschließend hat es sich die Münchener Alternative-Rock-/Indie-/Powerpop-Band Cadet Carter zur Mission gemacht, die Konzertbesucher für Dave Hause aufzuwärmen. Sie schaffen es auch, die Heinz-Besucher zum Mitsingen einiger „Wooah“-Parts zu bewegen.

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Nach einer ausgedehnten Umbaupause und Trommelfell-zerschmetterndem Soul-Gejaule aus den Lautsprechern, gefolgt von „From This Oil Can“ seines Songwriter-Kollegen Dan Adriano (Alkaline Trio), dessen Musik deutlich mehr auf Hause einstimmt, und schließlich „Boogie in Your Butt“ von Eddie Murphy.

Dave Hause startet sein Set entspannt, aber dennoch hungrig, mit „Eye Aye I“. Mit „The Ditch“, ebenfalls aus dem aktuellen Album „Kick“, danach drehen Dave Hause und seine Mermaid gleich so richtig auf. Beinahe ein Versprechen oder eine Vorahnung, dass es ein guter Abend werden würde.

Dass er sich Musiker wie Bruce Springsteen, Bryan Adams und Tom Petty als Vorbilder genommen hat, ist in seinem Sound unverkennbar. Dass er auch Gemeinsamkeiten mit aktuellen Singer-Songwriter-Mitstreitern wie Brian Fallon, Frank Turner und Chuck Ragan teilt, ist natürlich unvermeidbar. Dennoch zeichnet ihn seine eigene Art aus, zu der auch seine Band einen positiven Beitrag leistet. So steht sein kleiner Bruder Tim mit der Leadgitarre an seiner Seite, Kayleigh bedient souverän die Synthies oder spielt bei Bedarf Akustikgitarre, wenn Dave das nicht selbst macht. Neben der Mermaid und solo tritt Kayleigh auch mit Frank Iero and The Future Violents auf.

Am Schlagzeug sitzt Kevin Conroy. Am Bass steht das „musikalische Multitalent“ Matt Olsson, stellt ihn Dave Hause vor. Außerdem spielt er noch Drums für Brian Fallon. Dave selbst hätte schon Schwierigkeiten, gleichzeitig Kaugummi zu kauen und sich die Schuhe zu zubinden, scherzt er. Den Part mit der Mundharmonika übernimmt deshalb besser Matt.

Ein Wunschkonzert

Gespielt wird eine bunte Mischung aus seinem Repertoire. Von neuem Material wie „Saboteurs“, „Weathervane und Warpaint, über „The Flinch“, „We Could Be Kings“ zu „C’mon Kid“ ist einiges dabei. Trotzdem fragt er die Fans nach Wunschsongs. Und so wird „Resolutions“ kurzerhand ins Set aufgenommen. Der kleine Texthänger seitens Dave amüsiert nicht nur das Publikum, sondern auch ihn selbst.

Nicht nur mit seinen Bandkolleg*innen scheint er sich sehr verbunden zu fühlen, sondern auch mit dem deutschen Publikum. Samt Gitarre lehnt er sich immer wieder der ersten Reihe entgegen. Manchen langjährigen Fan kennt er beim Namen. In Deutschland fühle er sich immer willkommen, denn hier werde Musik noch geehrt und wertgeschätzt. Und hier darf man noch Encores spielen, anders als in Amerika, wo alle so gestresst sind, sagt er. So ähnlich hat es auch einmal sein Kollege Nathan Gray in einem Interview mit Rockszene ausgedrückt.

„Deutschland ist mein Lieblingsland“, gibt sein Bruder Tim Hause in gebrochenem Deutsch zum Besten. „Echt? Auch besser als Kalifornien?”, fragt sein großer Bruder. “Ja”, grinst Tim nach kurzem Zögern.

Diese Show ist sozusagen der Opener der Tour, erzählt Dave Hause. Zuvor sind sie beim Groezrock Festival aufgetreten. “Da haben wir wunderbare Bands gesehen und es war ein netter Tour-Start, aber das hier fühlt sich ein bisschen mehr nach Heimat an“, sagt er. Und es stimmt, der charmante, stickige Keller scheint wie gemacht für ihn und seine Begleiter.

Auf dem Golfplatz steht die Zeit still

Zu seiner Ankündigung des Songs „Fireflies“ liefert er eine Geschichte aus seiner Jugend mit: “Nachts schnitten wir ein Loch in den Zaun und rannten auf den Golfplatz, rauchten Gras, betranken uns, machten miteinander rum. Es fühlte sich wie die freieste Zeit an. Ich kann mich an keine andere Zeit erinnern, dass ich mich so frei gefühlt habe.“

„Wenn man so jung ist realisiert man nicht, dass man diesem Gefühl ein Leben lang hinterherjagen wird. Also haben Tim und ich versucht, einen Song zu schreiben, in dem man jemanden, der einem etwas bedeutet, bittet, einen zu diesem einen Moment zu begleiten, als sich alles ein bisschen einfacher und freier angefühlt hat.“

Mit „Fireflies“ transportiert er sein Publikum gedanklich an diesen Ort. Zusammen verbringen alle ein bisschen freie Zeit, lassen die Gedanken baumeln und fühlen sich hoffentlich auch selber etwas befreiter, zumindest für einen Moment.

Etwa eineinhalb Stunden lang beglückt er seine Zuhörer mit einem ausgedehnten Set. Es gibt nicht bloß eine, sondern sogar zwei Zugaben, die unter anderem „Dirty Fucker“ und „Time Will Tell“ enthalten. Der Laden klatscht bis zum Ende beherzt mit.

 


Links:
www.davehause.com
www.facebook.com/DaveHauseMusic
www.twitter.com/hausedave
www.facebook.com/cadetcarterband
www.facebook.com/kayleighgolds
www.sunday-entertainment.de/davehause
www.beichezheinz.de

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