Spielten ein stimmungsvolles Gitarren-Pop-Rock-Konzert: Wingenfelder im Capitol

Seele, Spaß und Radio-Pop

Wingenfelder spielten in Hannover im Capitol

06. Oktober 2018, Von: Andreas Haug, Foto(s): Ina Niemerg

Nach den lang angelegten und erfolgreichen Fury-In-The-Slaughterhouse-Jubiläums-Feier-Konzerten im letzten Jahr, steht für Kai und Thorsten Wingenfelder wieder ihre Band Wingenfelder im Fokus. Mit ihrem im Frühsommer erschienenen Album „Sieben Himmel hoch“ touren die beiden Brüder mit einer gut besetzten Band durch die Lande und machten am gestrigen Freitagabend Halt im Capitol in Hannover. Rund zwei Stunden gab es sensible Songs mit Seele und Tiefgang, schmissige Lieder geprägt von Leichtigkeit und Spaß und auch einige Titel mit Mainstream-Radio-Pop-Hit-Charakter. Mehr als 1100 Besucher sorgten für einen entspannten, meist fröhlichen Rahmen.

„Sieben Himmel hoch“ ist der Titel des neuen Wingenfelder-Albums und davon werden am heutigen Freitagabend einige Songs geboten. Gleich zum pünktlichen Start um 20.45 Uhr erklingt der Titeltrack, gefolgt von dem Uptempo-Pop-Rocker „Verlieb dich nicht in mich“. Erstes rhythmisches Klatschen im Publikum. Die, die furyesken, melodiösen Gitarren-Pop mögen, kommen auch beim Wingenfelder-Programm auf ihre Kosten. Es sind diese gewissen Akkordfolgen, Gitarrenfiguren, die so prägend bei vielen Fury-Songs sind, die auch bei den meisten Wingenfelder-Kompositionen tragen und glänzen.

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Die schmissige Folk-Schiene mit Songs wie „Hey Cowboy“ oder –aus dem Fury-Fundus- „Dead And Gone“ gibt Band und Publikum eine sichere Basis zum Schunkeln, Mitsingen und Feiern. Mandoline und Armeschwingen sind angesagt während Kai Wingenfelder kurz die Spielfläche verlässt und vorn in die Menge geht. Es läuft rund.

Im weiteren Verlauf der Show spielen sich Wingenfelder durch ihre Alben und punkten bei ihren Fans mit melodiösen, meist eingängigen Songs. Dabei ist der Grat zwischen tiefgreifenden Liedern wie „Berlin“, das aus künstlerischer Sicht wohl zu den absoluten Höhepunkten des Konzerts gezählt werden darf, und unterhaltsamem Mainstream-Radio-Pop wie etwa „Perfekt“ durchaus schmal. Ziemlich viele „Wohoo hoo“ und „Ohohoo“ Chöre zeitweise, die an Events großer Radiostationen-Open-Airs mit 20.000 plus Besuchern erinnern. Aber genau diese Songs werden heute auch im Capitol gefeiert.

Der lockere, leichte Unterhaltungsaspekt steht heute Abend im Vordergrund, eher im Gegensatz zum bis dato letzten Capitol-Auftritt von Wingenfelder im März 2016, als so etwas wie Magie in der Luft lag und man zahlreiche Gänsehautmomente erleben konnte, als tiefschürfende Songs, wie etwa „Die größte Liebe auf dieser Welt“ auf der Setlist standen.

„Scheiße, ich will Wingenfelder hören!“

„Time To Wonder“ ist ein Song, der oft für Gänsehautmomente sorgt. Wingenfelder spielen den inzwischen rund 30 Jahre alten Fury-Klassiker in einer halb-akustischen Version und lassen den Song wieder in einen langen „Woho Hoo“-Sing-A-Long münden. Man kann es als sensible stripped-down-Version mögen oder es als seicht und lahm empfinden. „Scheiße, ich will Wingenfelder hören!“ ruft jemand laut unter dem Balkon des Capitols, scheinbar wegen des zweiten Fury-Songs des gesamten Abends. Hm…

Nach einer gut gelaunten „Klassenfahrt“ ist der offizielle Teil des Konzerts vorbei. Im Zugabenteil kommt für einige Minuten der Rock´n´Roll auf die Bühne. Musikalisch in Form von einer knackigen Interpretation des Neil-Young-Klassikers „Keep On Rockin´In A Free World“, menschlich in Person von Gitarrist C punkt Stein-Schneider (bürgerlich Christof Stein-Schneider), der bis zu diesem Zeitpunkt im Publikum weilte und zu diesem Song die Bühne entert. Nun ist ein Tick mehr Würze und Schärfe in der Band. Das Publikum kommt jetzt mehr in Bewegung. Auch Sänger und Gitarrist Peter Keller, der als special guest den Abend musikalisch eröffnet hatte reiht sich ein.

Ganz zum Schluss noch ein weiterer Höhepunkt, als Kai und Thorsten Wingenfelder –ganz ohne Bandunterstützung- eine großartige Version des Songs „Winterkind“ spielen und unter kräftigem Applaus die Bühne verlassen.

Insgesamt ein gelungenes Konzert, passend zu einem milden Herbstabend.


Links:
www.wingenfelder.de
www.facebook.com/Wingenfelder
www.hannover-concerts.de

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